Weihnachten im Ausland - eine Erlebnisvielfalt für alle Kulturisten!

von Judith Liehr

„Andere Länder – andere Sitten", gerade für Weihnachten im Ausland, zum Beispiel als Au-Pair, trifft das ganz besonders zu.

Kurz nach dem Sommerurlaub geht es schon los: Die ersten Weihnachtssüßigkeiten tauchen in den Supermärkten auf und kaum haben wir uns versehen, ist bereits der erste Advent. Wie ist es aber eigentlich für alle unsere Programmteilnehmer, seien es Au-Pairs, Sprachtutoren oder Freiwillige – oder auch die ausländischen Au-Pairs, die bei unseren deutschen Gastfamilien sind, so weit weg von zu Hause zu sein? Mit einer Familie, die nicht die eigene ist und mit Traditionen, die fremd, oder zumindest ungewohnt sind? Ist in diesen Tagen des Jahres das Heimweh vorprogrammiert, oder kann für unsere Kulturisten Weihnachten im Ausland doch zu etwas Unvergesslichem werden?

Unterschiedliche Weihnachtsbräuche in anderen Ländern

Es gibt viele, unterschiedliche Weihnachtsbräuche, die in anderen Ländern zur Tradition gehören und nicht überall ist das „Fest der Liebe“ mit großen Geschenken verbunden. Au-Pairs in Mexiko werden beispielsweise erleben, dass die Kinder dort ein mit Süßigkeiten gefülltes Tongefäß („Piñata“) erhalten. Dieses Gefäß müssen sie versuchen mit verbundenen Augen zu zerschlagen, um an den Inhalt zu kommen. Trubel, Straßenumzüge und Feuerwerk gehören dort ebenso zum Weihnachtsfest, wie bei uns der Weihnachtsbaum und der Weihnachtsmann.

Alle diejenigen, die sich momentan als Au-Pairs in den USA oder in Kanada aufhalten, werden nicht wie üblich am 24., sondern am 25. Dezember Ihre Geschenke, zumindest teilweise, aus den „Christmas-stockings“ bekommen (natürlich nur, wenn sie vorher ;ilch und Kekse für Santa Claus bereit gestellt haben!). Viele von Ihnen werden „Eggnog“ kennenlernen, ein Getränk, das unser kanadischer Kollege hier in der Weihnachtszeit besonders schmerzlich vermisst.

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Unser Weihnachtsmann ist im Französischen „Père Noël“ und sowohl in Frankreich, als auch in anderen französischsprachigen Gegenden, wie der Schweiz, Wallonien und Teilen im Osten Kanadas haben Au-Pairs und Sprachtutoren die wunderbare Möglichkeit, ein einem langen „réveillon“ (Weihnachtsessen) teilzunehmen – etwas, das ich persönlich sehr schätze!

Beneidenswert auch, wer gerade einen Au-Pair-Aufenthalt in Italien verbringt – dort werden  um diese Jahreszeit gleich mehrere, kleine Feste gefeiert. San Nicola kommt am 6. Dezember und am 13. Dezember beschenkt Santa Lucia die Armen.  Am Heiligen Abend findet dann eine Art Familienlotterie statt, bei der jeder die Nummer seines Geschenkes aus einem Säckchen zieht. „Bambinello Gesù“, das Jesuskind, feiert man am 25. Dezember und am 06. Januar schließlich erwarten die Kinder „La Befana“ (die gute, alte Hexe), die nachts von Haus zu Haus fliegt Süßigkeiten in die Schuhe legt.

Sicher sehr ungewöhnlich ist es, Weihnachten im Sommer, z.B. am Strand, oder im Freien zu feiern – so werden es unsere Au-Pairs und „Work & Travel“-Programmteilnehmer in Australien und Neuseeland erleben, oder alle die gerade als Freiwillige in Südafrika bzw. anderen Ländern in der südlichen Hemisphäre sind. Dort ist Weihnachten für die Urbevölkerung übrigens ein karneval-ähnliches Fest. Am 25. Dezember, dem „Boxing Day“, werden Kisten mit Essen und Geschenken an die Armen verteilt.

Weihnachten in Deutschland als Gast

Sofern Sie eine Gastfamilie sind, sollten Sie daran denken, dass Ihr Au-Pair in diesen Tagen vielleicht auch Heimweh haben könnte. Nutzen Sie aber auch die Gelegenheit, sich über Brauchtümer im Herkunftsland Ihres Au-Pairs zu informieren.

In Georgien beispielsweise, wird Weihnachten erst am 07. Januar gefeiert. Die Menschen begeben sich zum „Alilo“ auf die Straße und gratulieren sich gegenseitig zum Feiertag. Kinder werden bei dieser Gelegenheit von älteren Menschen beschenkt.

Das Weihnachtsfest in Peru wird ähnlich wie bei uns gefeiert – tagsüber gehen die Menschen in die Kirche und abends wird in der Familie gemütlich zusammen gesessen.

Auch in Ländern, in denen das Christentum keine offizielle Religion ist, wie z.B. in Nepal, ist das Feiern von Weihnachten inzwischen schon zu einem Trend geworden – man feiert allerdings ganz ohne religiöse Komponente. Sogar in Indonesien, das stolz ist für seine religiöse Toleranz, ist Weihnachten ein Feiertag.

In Moldawien hält man sich nach wie vor an den östlichen Kirchenkalender und feiert Weihnachten ebenfalls am 07. Januar, wenn überhaupt, denn viele Menschen sind dort nicht sonderlich religiös und übergeben Geschenke in der Neujahrsnacht.

Sollten Sie ein Au-Pair aus Brasilien zu Gast haben, so wird sie/er bislang an Weihnachten im Sommer gewöhnt sein. Durch die Straßen neben der Copacabana geht einige Tage vor Weihnachten ein Umzug, an dem Katholiken und Muslime gemeinsam teilnehmen.

Weihnachtsfeier bei Kulturist

Wir haben uns in diesem Jahr für die äthiopische Variante entschieden. Wussten Sie, dass die meisten Familien in Addis Abeba ebenfalls mit einem Weihnachtsbaum, genauso wie wir hier, feiern? Wir werden „Injera“ (Fladenbrot) mit „Doro-Wot“ (sehr scharfer Eintopf mit Huhn) essen, das dort zu besonderen Gelegenheiten zubereitet wird. Es dauert übrigens in etwa ebenso lange, wie das Zubereiten einer Weihnachtsgans, nämlich 6-7 Stunden. Dazu gibt es allerlei verschiedenes Gemüse, „Tibs“ (eine Art Gulasch aus Lamm) und „Ayib“ – das ist äthiopischer Frischkäse, zum Abmildern der Schärfe. Abschließen werden wir natürlich mit einer äthiopischen Kaffee-Zeremonie, auf die wir uns schon ganz besonders freuen und für die ich mich schon im Voraus bei meiner Kollegin aus Addis bedanken möchte.

Überall auf der Welt gibt es sehr schöne Weihnachtsbräuche in erstaunlich vielen Variationen. Sofern man die Weihnachten im Ausland verbringt, sollte man Rücksicht auf die Sitten der Menschen dort nehmen und sich entsprechend anpassen. Wer über die Feiertage einen Gast aus dem Ausland hat, sollte sich darum bemühen, ihn/sie einzubeziehen, damit kein allzu großes Heimweh aufkommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, egal wo auf der Welt Sie sich befinden, schöne Feiertage!

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