Warum zieht es Menschen zu Freiwilligenarbeit ins Ausland?

von Judith Liehr

Immer wieder werde ich gefragt, was eigentlich für eine Investition in einen solchen Auslandsaufenthalt spricht. Einige Gründe dafür liegen auf der Hand, andere wiederum sind nicht gleich offensichtlich.

Wer aus sozialem Engagement heraus ehrenamtlich tätig sein will, könnte das doch sehr viel einfacher und kostenneutraler auch zu Hause tun – Hilfe wird sicherlich auch dort an vielen Stellen benötigt. Es gibt sowohl hier, als auch im Ausland unendlich viele Möglichkeiten, die eigene Arbeitskraft und Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen und auf diese Weise unterschiedlichsten Einrichtungen einen konkreten Nutzen zukommen zu lassen, Dinge zu bewegen, die ohne die Hilfe von Freiwilligen nicht realisierbar wären. Und ja, zum Glück gibt es nach wie vor viele Menschen, die sich in ihrem Umfeld engagieren. Repräsentative Umfragen belegen, dass etwa jeder 3. Bürger unterschiedlichster Altersgruppen in Deutschland ein Ehrenamt innehat. Im Vordergrund steht sicherlich auf der einen Seite der Wunsch, sich an der Mitgestaltung der Gesellschaft zu beteiligen, zu helfen – zunehmend aber auch der Wunsch, sich durch eine solche Tätigkeit persönlich weiter zu entwickeln, sprich soziale Kompetenzen zu erwerben. Es muss aber noch andere Aspekte geben, die Menschen dazu bewegen, sich im Ausland zu engagieren…

Gründe für „einen Blick über den Tellerrand" mit sozialem Engagement

Ganz wichtig ist hier sicherlich die Tatsache, dass ein (oder noch besser mehrere) Auslandsaufenthalt sich aus einem Lebenslauf in vielen Bereichen heutzutage kaum noch wegdenken lässt. Interkulturelle Kompetenzen, wie man sie durch die Mitarbeit in einem solchen Projekt erwerben kann, tragen definitiv dazu bei, den eigenen Horizont zu erweitern. Immer wieder berichten Programmteilnehmer, dass sie nach einer solchen Auslandserfahrung ihr eigenes Leben und ihre Lebensumstände ganz anders betrachten und neu bewerten konnten. Als Freiwillige(r) haben Sie die Möglichkeit, eine neue Kultur, ein neues Land, eine andere Religion und Lebensweise auf eine Art und Weise kennenzulernen, wie es Ihnen während einer Urlaubsreise ganz bestimmt nicht möglich wäre. Sie werden, je nach Projekt, Lebensumstände kennenlernen, die es hier einfach so nicht gibt. Es ist eine Sache, eine organisierte Trekking-Tour durch die Wüste Gobi zu machen und dabei einen Eindruck von dieser Region und ihren Menschen zu gewinnen. Eine ganz andere Sache aber ist es, für eine gewisse Zeit das Leben der Nomaden dort zu teilen und wirklich zu erfahren, wie es ist, im Wechsel der Jahreszeiten mit dem Vieh weiterzuziehen.

Ein weiterer, ganz wichtiger Faktor, ist selbstverständlich der Erwerb sprachlicher Kompetenzen. Je nach Zielland und Aufenthaltsdauer werden Sie eine weitere Fremdsprache erlernen oder vertiefen können. Die wichtigste Rolle in beinahe allen Projekten spielt allerdings Englisch, sodass Sie zumindest Ihr Englisch „aufpolieren" oder perfektionieren können. Der Erwerb dieser Kompetenzen allein ist es aber nicht, der dem Wunsch, sich in einem Freiwilligenprojekt im Ausland zu engagieren, zugrunde liegt.

Der Wunsch zu reisen ist so alt wie die Welt: sie ruft, wir folgen!

Es hat etwas Magisches, es verheißt uns die Faszination fremder Länder und Kulturen. Aber eigentlich ist der Sinn des Reisens heute schon vor Beginn derselben auf den Kopf gestellt: wir möchten uns der Fremde aussetzen und zahlen Geld dafür, ihr im Endeffekt aus dem Weg zu gehen. Wir erhalten Prospekte und Landkarten, auf denen die Welt verführerisch und schön übersichtlich dargestellt ist. Wir wissen schon im Voraus genau, wohin wir reisen, welche Orte wir besichtigen werden und welchen Namen das Fremde hat. Doch irgendwann nagt ein kleiner Zweifel an uns - wir sind zuweilen enttäuscht, weil die Bilder in unseren Köpfen nicht mit dem kompatibel sind, was wir am Ende vorgefunden haben. Die kritischen Reisenden unter uns, wie Sie, liebe Kulturisten, fragen sich, was die Welt vom Zusammenprall von Arm und Reich, den das Reisen zwangsläufig mit sich bringt, tatsächlich hat? Wir fragen uns, ob die Welt wirklich gigantische Shoppingwelten oder verkitschte Disneyworld-Imaginationen braucht? Wir fragen uns weiter, wie sinnvoll Schneekanonen in den Alpen sind oder wie authentisch Wüstensafaris wohl sein können, auf denen die Reisenden ihren Müll hinterlassen?

Der Wunsch zu reisen

Werden wir gereist oder reisen wir noch selbst? Viele von uns möchten nicht nur einfach grenzenlos konsumieren, das gesellschaftliche Elend um uns herum vergessen und uns für eine begrenzte Zeit in einer fiktiven Welt sonnen. Ohne existentielle Bereicherungen, die man durch echte Eindrücke und authentische Erfahrungen erhält, bleiben wir weit unter den Möglichkeiten des Reisens. Der/Die weltoffene Reisende möchte Welten erkunden, ändern. Die Touren von Entdeckern wie Marco Polo, oder dem Afrikaforscher David Livingstone hatten für sie selbst und auch für spätere Leser noch eine tiefe Bedeutung – dieses Entdeckungsinteresse ist im heutigen Massentourismus aber beinahe verschwunden. Aber viele von uns suchen nach wie vor die Ferne, um uns selbst darin zu finden. Und genau darum geht es beim „Voluntourismus“ – wir nehmen und geben gleichzeitig zurück!

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