Gedanken zum Internationalen Tag der Frau

von Judith Liehr

Brauchen wir das, oder unterstreicht die Manifestierung des „Frauentages“ die, nach wie vor fehlende, Gleichberechtigung, wie Kritiker(innen) sagen?

Dieser Tag blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück und fand seinen Ursprung in Streiks von Textilarbeiterinnen, die für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpften und sich gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung wehrten.  Im Jahr 1911 war die zentrale politische Forderung des ersten Internationalen Frauentages in Kopenhagen das aktive und passive Wahlrecht für Frauen.

Nun – das Frauenwahlrecht haben wir inzwischen seit beinahe 100 Jahren, wir haben auch einen Gleichstellungsartikel in unserem Grundgesetz und sogar ein Gleichberechtigungsgesetz. Das heißt aber nach wie vor nicht, dass nicht weitere Ziele, wie eine tatsächliche Verwirklichung von Chancengleichheit, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und an politischen Entscheidungsprozessen erreicht, bzw. umgesetzt werden müssten. Noch immer verdienen Frauen weltweit im Durchschnitt weniger als Männer, worauf durch den „Equal Pay Day“, welcher in Deutschland am 21. März begangen wird, aufmerksam gemacht wird.

Ein Thema, welches uns bei Kulturist natürlich immer wieder begleitet, ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Selbstverständlich haben unsere Gastfamilien von Au-Pairs aus dem Ausland Interesse am Kulturaustausch. Allerdings haben sehr viele von ihnen auch das Problem, dass Kinderbetreuungseinrichtungen sehr oft nicht die Arbeitszeiten von berufstätigen Müttern abdecken.

Ein rosanes Frauenzeichen

Die offizielle Bezeichnung der UNO lautet „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden". Laut einer Studie der WHO aus dem Jahr 2013 sind weltweit 35% aller Frauen Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt und zwar in aller Gesellschaftsschichten, Ländern und Kulturen. Allerdings ist auch ein Zusammenhang mit dem Wohlstandsgefalle auf der Welt erkennbar, so sind Frauen in Nordamerika, Europa, Australien und Japan weniger stark betroffen, als Frauen in Südostasien und in Afrika.

Warum schreibe ich an dieser Stelle etwas zu diesem Thema? Ganz einfach: zum einen bin ich selbst eine Frau und zum anderen sind die Teilnehmer(innen) von Kulturaustauschprogrammen in überwiegender Mehrheit junge Frauen. In den vergangenen 15 Jahren hatte ich das Glück, die eine oder andere Erfolgsgeschichte miterleben zu können. Sei es die junge Frau aus einem Dorf in Rumänien, die als Erste in ihrer Gemeinde und gegen den Willen ihrer Familie einen Führerschein und eine Berufsausbildung gemacht hat, nachdem sie als Au-Pair in Deutschland war. Oder die Georgierin, die mit ihrem deutschen Mann nach Tiflis zurückkehrte und sich dort erfolgreich selbstständig machte. Eine weitere junge Dame reiste nach dem Au-Pair-Jahr in Deutschland zunächst in die USA und erhielt dann, mit hervorragenden Kenntnissen in drei Fremdsprachen, ein Stipendium in ihrer Heimat. Nach abgeschlossenem Studium ist sie heute in einem internationalen Konzern beruflich sehr erfolgreich. Ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich durch meine Arbeit einen kleinen Teil zum späteren Erfolg dieser Frauen beitragen kann!

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