Sie kommen aus dem durchschnittlich höchstgelegenen Land der Erde, das bei uns in erster Linie als Inbegriff für ganz besondere trekking-Touren gilt.
Nepal ist ein Vielvölkerstaat, es leben dort etwa 30 Millionen Menschen, die sich auf über 30 verschiedene Volksstämme und –gruppen aufteilen. Es existieren zwei große Religionen nebeneinander, nämlich der Hinduismus und der Buddhismus. Bereits seit dem Jahr 1963 sind soziale Unterscheidungen aufgrund von Kastenzugehörigkeiten in Nepal bereits verboten, noch immer aber bestimmt dieses System sehr oft den Alltag der Menschen. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern Asiens ist die Alphabetisierungsrate des Landes relativ gering – sie liegt bei den Erwachsenen nur etwa 50%. Es gibt zwar eine allgemeine Grundschulpflicht, aber viele Kinder können nicht am Schulunterricht teilnehmen, da sie im Haushalt helfen, oder zusätzliches Geld für die Familie verdienen müssen. Allerdings ist die Einschulungsquote, besonders in den vergangenen Jahren, inzwischen auf rund 95% angestiegen. Besonders Frauen haben es aber nach wie vor schwer, Zugang zu Bildung zu erlangen. Es sind zwar auch hier Fortschritte zu verzeichnen, aber nach wie vor werden Mädchen öfter gar nicht erst eingeschult, oder müssen die Schule frühzeitig verlassen.
Das Kathmandu-Tal mit der Doppelstadt Kathmandu/Lalitpur (Patan) ist nach wie vor das größte Bevölkerungszentrum Nepals. Genau dort sind auch unsere Partnerorganisationen ansässig, die ich hier zu Wort kommen lasse, um Ihnen einen kleinen Eindruck von den Au-Pairs aus Nepal zu vermitteln.
Wie bereiten sich die Au-Pairs auf den Aufenthalt in Deutschland vor und wie lange dauert der ganze Vorbereitungsprozess in etwa?
„Die zukünftigen Au-Pairs besuchen meist etwa ein halbes Jahre lang zunächst unseren Sprachkurs. Innerhalb des Kurses sprechen wir dann auch über kulturelle Unterschiede zwischen deutschen und nepalesischen Familien. Es ist uns sehr wichtig, das die jungen Leute wissen, dass es sich hier um ein Kulturaustauschprogramm handelt, in dem sie die Möglichkeit haben, eine andere Kultur, eine Fremdsprache, unterschiedliche Lebensstile und generell die Lebensart der Menschen in Deutschland kennenzulernen. Manche Dinge scheinen recht einfach und belanglos zu sein, aber zu den Reisevorbereitungen gehört auch, dass die Au-Pairs sich mit ausreichend warmer Kleidung versorgen müssen, bevor sie nach Deutschland aufbrechen. Sie können sich oftmals nicht vorstellen wie es ist, in einem Land zu leben, in dem es, im Vergleich zu ihrer eigenen Heimat meist eher kalt ist."
Was sind wichtige kulturelle Unterschiede, die man als Gastfamilie kennen sollte, wenn man ein Au-Pair aus Nepal einlädt?
„Wir versuchen, den Au-Pairs zu erklären, dass in einer deutschen Gastfamilie Offenheit in der Kommunikation untereinander einen hohen Stellenwert hat. Viele der jungen Damen sind das so von Haus aus nicht wirklich gewohnt. Auch Pünktlichkeit ist ein Thema, das wir immer wieder besprechen – in Deutschland ist das ja nun wirklich ein „Muss", aber auch das kennen viele junge Leute hier in der Form nicht. Es gibt in Nepal eine ganze Reihe von Festlichkeiten, die gefeiert werden und zwar unabhängig davon, welcher Glaubensgemeinschaft man angehört. Manche Au-Pairs vermissen das während der Zeit, die sie im Ausland sind. Gastfamilien sollten ihre Au-Pairs danach fragen – einige dieser Festivitäten sind wirklich etwas ganz besonderes."

Gibt es Unterschiede in der Kinderbetreuung?
„Wichtig für deutsche Gastfamilien ist es sicherlich zu wissen, dass in Nepal kaum junge Menschen zu finden sind, die keine Erfahrung in der Kinderbetreuung haben. Da die meisten Menschen hier sich keine andere Form der Kinderbetreuung leisten können, kümmert sich jeder innerhalb eines großen bzw. weiteren Familienverbandes um die Kinder, die oder der dazu Zeit und Gelegenheit hat – und zwar immer dann, wenn Eltern Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder benötigen, weil sie z.B. arbeiten. In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind Montessori-Einrichtungen in den Städten in Nepal recht populär geworden. Viele Eltern schicken ihre Kinder nun in solche Kindergärten und Schulen und eine ganze Reihe unserer Au-Pair-Bewerberinnen absolvieren dort Praktika."
Wo sind Unterschiede in der Ernährung zu finden?
„Die Menschen in Deutschland essen relativ viel Brot. Das ist hier in Nepal so nicht üblich. Viele Au-Pairs müssen sich daran erst gewöhnen. In Nepal wird sehr viel Reis und „Dal" gegessen – letzteres ist ein Gericht aus Hülsenfrüchten (z.B. Linsen oder Kichererbsen), welches sehr würzig ist. Das ist schon der nächste, große Unterschied sind die Gewürze: die Speisen in Nepal sind eigentlich so ziemlich all sehr viel würziger, als in Deutschland."
Was versprechen sich die Au-pairs von einem Aufenthalt in Deutschland?
„An erster Stelle steht für die meisten natürlich der Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen. Auch möchten unsere jungen Leute gerne eine andere Lebensart kennenlernen, ganz besonders eben die Dinge, für die Deutschland bekannt ist, wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Für viele ist es natürlich ein Traum Europa zu besuchen, wirklich selbstständig und unabhängig zu werden. Sie erhoffen sich, von all dem etwas für ihre Zukunft mitnehmen zu können. Die eine oder andere möchte anschließend vielleicht in Europa studieren oder ein weiteres Jahr als Au-Pair in einem Land wie den USA oder Kanada verbringen."
Sollten Sie sich dazu entschließen, ein Au-Pair aus Nepal einzuladen, so bin ich ganz sicher, dass Sie im Laufe des Jahres noch sehr viel mehr Interessantes über die Kultur und das Leben der Menschen im „Land der topografischen Extreme" erfahren werden.
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Katrin am
Guten Tag, wir haben in den letzten Wochen erleben müssen, dass wir immer wieder bei der Suche nach einem AuPair auf eine Bewerberin aus Nepal stoßen. Gern nahmen wir diese stets an als interessante Bewerberin.
Nach kurzer Zeit jedoch bekommt wiederholt diese Anfrage des AuPairs einen bitteren Beigeschmack. Schnell erhalten wir eine Fragelsite der Botschaft, die das AuPair über unsere Familie beim Vorstellubgstermin dort beantworten soll. Alle angehenden AuPairs haben bereits zum Beginn ihrer Bewerbung bei uns einen Termin bei der Botschaft. Alle Mädchen haben immer eine Kontaktperson bereits in Deutschland, die gern, wie sie sagen, Bewerbungsunterlagen von uns mit zu ihnen in die Heimat mitnimmt, wenn sie bald zurückreist, damit es schneller geht oder sie haben eine Kontaktperson in Deutschland, die ihnen bei der Bewerbung hilft.
All das macht als mir als Gastmutter einen so falschen Eindruck, dass wir von einer bösen Masche ausgehen müssen.
Ein AuPair trieb es auf die Spitze. Sie war nach einer Woche plötzlich von einer anderen Gastfamilie in Berlin eingeladen worden. Sie vermittelte uns ihre " Freundin", weil sie zusammen mit ihr in Berlin AuPair sein wollte.
Diese war keinesfals an Aufgagen oder Kindern der Familie interessiert, sendete umgehend nach Kontaktaufnahme die Frageliste der Botschaft an uns, die sie auswendig lernen wollte. Die Vermitulerin sucht übrigens offiziell in den Portalen online weiter nach einer Gastfamilie. Ich habe sie erneut angeschrieben. Die Masche wiederholt sich.
Wie erklären Sie sich das und warum sollte ich Vertrauen in AuPairs aus Nepal haben, die sich nur auf eine Ziel hinarbeiten VISUM und mich als Sprungbrett ausnutzen wollen?
Antwort von Judith Liehr
Guten Tag,
ich nehme an, Sie haben diese Au-Pairs über Portale kontaktiert - anderenfalls wäre mir das Prozedere nicht erklärlich. Generell vereinbaren viele Au-Pairs (aus unterschiedlichsten Ländern) schon einen Botschaftstermin, einfach weil sie darauf oft lange warten müssen. Im Falle Nepals müssen im Übrigen in der Tat Original-Dokumente vorgelegt werden.
Es ist mir auch bekannt, dass die eine oder andere nepalesische Agentur über Portale nach Gastfamilien sucht - vermutlich weil das oft schneller geht, als eben die Vermittlung über eine deutsche Agentur, wie das allerdings im Idealfall geschehen sollte.
Was das Thema "Sprungbrett" anbelangt: Ganz ausschliessen kann man so etwas leider nicht. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ist, wenn sowohl im Ausland, als auch hier vor Ort eine Organisation eingeschaltet sind. Die Au-Pairs werden dann nämlich sorgfältig geprüft und haben selbst auch einen sehr viel größeren Auswand für den ganzen Bewerbungsprozess.
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