Die Einarbeitungszeit eines neuen Au-Pair

von Judith Liehr

Eigentlich sollte man besser von eine „Eingewöhnungszeit“ sprechen – denn das trifft den Kern der Sache eher!

Es ist eine Sache, die viele Gastfamilien beschäftigt – vor allem dann, wenn sie das erste Mal ein Au-Pair einladen. Oftmals planen Eltern einen (Wieder-)Einstieg in ihren Job, einen neuen Arbeitsplatz, einen Umzug, oder aber es wird weiterer Nachwuchs erwartet. Alle diese Dinge sind termingebunden und sie überlegen dann, wie lange vorher man am Besten ein Au-Pair einladen sollte, damit genau zu diesem Termin auch wirklich alles „rund läuft“.

Um es gleich vorweg zu nehmen: man kann nicht pauschalisieren. In 10 Au-Pair-Jahren hatte ich zwei Mal das Glück, dass ein neues Au-Pair quasi von Tag 1 an so in der Familie integriert war, dass man das Gefühl hatte, sie seien schon immer da gewesen. Bei allen anderen lag diese Eingewöhnungszeit zwischen einem und drei Monaten. Zuweilen ist es ein wenig erschreckend (oder auch ermüdend) sich vorzustellen, dass diese Zeit jedes Jahr aufs Neue investiert werden muss, Sie können aber davon ausgehen, dass es sich wirklich lohnt, denn anschließend werden Sie dennoch neun bis elf Monate einen großen Nutzen daraus haben!

Unabhängig davon, wie gut sich Ihr zukünftiges Au-Pair im Heimatland auf den Auslandsaufenthalt vorbereitet hat, so ist es dann doch etwas völlig anderes, wenn sie/er sich dann in Ihrem Haus, bei Ihren Kindern, in Ihrer Nachbarschaft und Ihrem Ort befindet. Au-Pair brauchen zu Beginn nicht nur Zeit, sich sprachlich einzufinden, sie müssen zunächst viele neue Dinge beobachten, erkennen, ausprobieren und verstehen. Nur wenn das gut gelingt, können sie all diese Dinge auch in Ihrem Sinne umsetzen.

Auch sollten Sie nicht den Fehler machen, sich selbst im entsprechenden Alter mit einem Au-Pair, die/der etwa Anfang 20 ist, zu vergleichen. Der kulturelle Hintergrund und auch die Erziehung, die ein Au-Pair hat, sind eine ganz andere, als Ihre eigene und deren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung sind nicht zu unterschätzen. Aus gutem Grund kommen viele junge Menschen als Au-Pairs nach Deutschland (oder gehen von Deutschland aus als solche ins Ausland), anstatt beispielsweise ein Praktikum oder ein Studium im Ausland zu absolvieren – sie haben so die Möglichkeit, quasi aus einem „behüteten Nest“ in einer Gastfamilie heraus die Welt zu erkunden.

Erwarten Sie also keine Perfektion von Anfang an, sondern eher, dass Ihr Au-Pair das ganze Jahr über in Ihrer Familie stetig dazulernen wird – viele Dinge wird sie/er ja auch nur einmal in diesem Jahr erleben: den Geburtstag der Gastkinder, Weihnachten, oder auch eine Einschulungsfeier. Es empfiehlt sich durchaus, ein neues Au-Pair wie eine/n Auszubildende/n zu betrachten – so werden Sie sich sicherlich eher an Fortschritten freuen können!

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