Als Sprachtutorin in Italien – Josephines Erfahrungsbericht

Ein tolles Programm für alle, die eine echte Begeisterung für Sprache haben und nur bis zu drei Monaten ins Ausland gehen möchten.

Josephine war unsere erste Sprachtutorin in Trentino, wo man sich ganz besonders darum bemüht, die multilinguistischen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern.

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Wie geht es weiter?

Das fragen sich wohl die meisten Abiturienten und das habe auch ich mich gefragt, als mein Abschluss immer näher rückte. Das einzige was für mich fest stand war, dass ich definitiv nicht sofort mein Studium beginnen wollte, denn ich wusste weder, was ich studieren wollte, noch, ob ich nach dem Abitur sofort die Kraft und Motivation aufbringen könnte mich wieder an den Schreibtisch zu setzen. Schon seit ich 14 Jahre alt bin, hat mich das Reisefieber gepackt. Ein Schüleraustausch in den USA konnte damals mein Fernweh befriedigen und auch nach meinem Abitur habe ich gemerkt, dass es mich wieder unaufhaltsam ins Ausland zieht. Heute ist es ja wirklich keine Schwierigkeit mehr ein Gap Year damit zu verbringen eine fremde Kultur zu entdecken, die eigentliche Schwierigkeit liegt eher darin sich zu entscheiden wie man es macht, denn neben Backpacking, Work and Travel, Auslandspraktikum, FSJ und Au-Pair sind die Möglichkeiten eher beschränkt. Aus verschiedenen Gründen hat keine dieser Varianten so richtig zu mir gepasst, denn ich wollte etwas machen, was mir wenigstens bei der Entscheidung meiner späteren Studiums-Wahl hilft und selbstverständlich spielte auch Geld eine entscheidende Rolle.

Als ich die Internetseite von Kulturist entdeckte, war ich besonders interessiert an dem Sprachtutorenprogramm in Italien, denn die Möglichkeit im Ausland meine Muttersprache zu unterrichten klang nicht nur aufregend und abwechslungsreich, sondern auch wie eine passende Herausforderung für mich und nachdem ich mir „Italien“ noch eine Weile auf der Zunge zergehen ließ, hab ich mich schließlich beworben. Was mich damals besonders beeindruckt hat war die Tatsache, dass Kulturist tatsächlich ab meiner ersten Mail, in der ich noch vorsichtig mein Interesse ausdrückte, unterstützend an meiner Seite war und dann hat es ein glücklicher Zufall ergeben, dass ich als erste Teilnehmerin in Cles, Trentino an dem Programm der Partnerorganisation Joinki teilnehmen konnte.

Selbstverständlich war meine Aufregung gigantisch, aber meine Gastfamilie war sofort so lieb und herzlich und hat mich bei ihnen aufgenommen, wie ihr eigenes Kind. Ich erinnere mich, wie mich meine Koordinatorin am 2. Tag durch Cles geführt hat und einigen lieben Menschen vorgestellt hat, denen ich auch heute nach fast 3 Monaten noch Privatstunden gebe. Als wir in der Schule waren, um mich bei den Direktoren vorzustellen ging das Abenteuer richtig los, denn die Möglichkeit eine Klasse zu unterrichten, ohne 3 Jahre in der Universität zu sitzen und Lehramt zu studieren ist außergewöhnlich. Es macht wirklich viel Spaß das Interesse der Schüler mit kreativen Ideen zu wecken und als eine Repräsentantin die Kultur zu vermitteln. Auch zu Hause war ein Fortschritt schnell zu bemerken. Ich lernte relativ schnell was ich meinen Schülern vermitteln müsste, denn ich bemerkte in meinem neuen, italienischen Alltag, welche Begriffe essentiell sind und auf welche man erstmal beim Vokabel-pauken verzichten kann. Obwohl ich schon vor meinem Aufenthalt viele Jahre Englisch-Nachhilfe und Deutsch-Nachhilfe gegeben habe, war es mit der Erfahrung „Sprachtutor“ nicht zu vergleichen, denn es ist ein wahrer Unterschied, ob du jemandem hilfst eine Sprache zu lernen, oder sie von Grund auf beibringst. Es ist wirklich hilfreich, mit der Familie zusammen zu lernen, denn wenn zwei (oder wie in meinem Fall 4) Leute gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeiten, sieht man schnell Resultate und das motiviert und verbindet. Eine große Herausforderung war es für jeden meiner Familienmitglieder die richtige Weise des Lernens zu ermitteln, denn für meine Mama gab es andere Methoden die Sprache zu erlernen, als für meine 11-jährige Gastschwester und für meinen Gastpapa war es nochmal anders. Alle Menschen sind unterschiedlich und lernen unterschiedlich und man muss als Sprachtutor für jeden individuell den Unterricht anpassen – das ist nicht leicht, bringt aber unglaublich viel Abwechslung in den Alltag.

Abwechslung brachte für mich auch das Reisen, was ich in jeder freien Minute genutzt habe und mit Hilfe der kostenlosen Nahverkehrskarte hatte ich die Chance mein Umfeld schnell zu erkunden und das lohnt sich wirklich, denn die Region bietet wirklich atemberaubende Natur, Architektur und auch kulinarisch ist es ein wahrer Genuss. Vielleicht sind es auch diese Gründe, weshalb die Menschen hier so lieb, offen und fröhlich scheinen, denn wer in so einer Gegend lebt, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Alles in Allem würde ich jeder Zeit diesen Aufenthalt wiederholen, denn es haben sich Chancen für mich ergeben, an die ich vor 3 Monaten noch nicht einmal gedacht habe und ich bin überglücklich eine so liebe neue Familie dazugewonnen zu haben, die mich unterstützt und mich liebhat, als würde ich bereits mein Leben lang hier leben. Meine Familie aus Deutschland kam zu Besuch und ihr könnt euch nicht vorstellen, was es für ein Glücksgefühl ist, zu sehen, wie die Personen, die vor 3 Monaten noch kein Wort Deutsch gesprochen haben Konversation betreiben können – selbstverständlich auch mit Händen und Füßen, aber eben auch mit den Worten, die ich ihnen beigebracht habe.

Danke Kulturist, Danke Joinki, Danke Italien!

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Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihren Bericht, Josephine! Wir wünschen Ihnen weiter eine tolle Zeit in Italien. Ihr Beitrag wird sicherlich noch weitere Menschen dazu inspirieren, an diesem tollen Programm teilzunehmen.

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