In Gesprächen, die wir mit unseren Programmteilnehmern führen, in Emails oder in den Feedback-Bögen, die wir am Ende eines jeden Programms erhalten, geht es sehr oft um das Thema „Erwartungen". Seien es nun erfüllte, oder unerfüllte, richtige oder falsche Erwartungen – das ist in jedem Fall ein Thema, welches sehr viele Au-Pairs beschäftigt. Jeder/r macht sich ihre/seine persönlichen Vorstellungen und möchte selbstverständlich, dass möglichst viel davon am Ende auch der Realität entspricht.
Hilfreich ist es deswegen, wenn du dir bereits im Vorfeld klar machst, was du eben nicht erwarten kannst – dadurch vermeidest du Enttäuschungen, oder auch, an anderer Stelle, Schwierigkeiten. Im Folgenden führe ich daher einige Punkte auf, die immer wieder Themen unserer Dialoge mit Au-Pairs sind.
1. Sprechen zu können, so wie du es gewohnt bist Es beginnt natürlich alles mit der Sprache. Diejenigen unter euch, die in ein Land reisen werden, dessen Sprache sie wirklich beherrschen, können diesen Absatz getrost überspringen. Die große Mehrheit aller zukünftigen Au-Pairs wird in diesem Punkt zunächst Schwierigkeiten haben – selbst wenn du beispielsweise zehn Jahre Englisch, oder sieben Jahre Französisch in der Schule gelernt hast. Das heißt definitiv nicht, dass du dich in deiner zukünftigen Heimat in den nächsten Wochen/Monaten so ausdrücken kannst, wie du es zu Hause gewohnt bist. Es werden dir schlicht und einfach Vokabeln fehlen, die Menschen verwenden Redewendungen, die du entweder nie gehört hast, oder deren Bedeutung im Kontext der Unterhaltung dir unklar ist. Du wirst auf andere Sprachnuancen/Dialekte treffen, die dir unter Umständen zu Beginn große Schwierigkeiten bereiten werden. Selbstverständlich solltest du dich davon nicht entmutigen lassen, du wirst das alles lernen, die einen schneller, die anderen brauchen vielleicht ein bisschen länger, aber im Laufe deines Au-Pair-Aufenthaltes wirst du dich in dieser Fremdsprache zunehmend sicher fühlen.
2. Mit den Menschen im Zielland auf gleicher Ebene zu kommunizieren Nein – dies ist keine Wiederholung des vorherigen Abschnitts. Mach dir bewusst, auf welche Weise du genau kommunizierst. Es ist nicht nur die Sprache, die du einsetzt. Es ist auch der Tonfall, die Gestik und die Mimik und genau an dieser Stelle gibt es eben Unterschiede in jedem Kulturraum. Es müssen keine Dinge von großer Bedeutung sein, die im Ausland in diesem Bereich anders sind, aber zuweilen sind es gerade die Kleinigkeiten, die Feinheiten und Zwischentöne, die zu Missverständnissen führen können, oder die bewirken, dass du dich völlig unverstanden fühlst. Lass dich davon nicht irritieren, auch das wirst du kennenlernen und das eine oder andere am Ende gar übernehmen und damit später zu Hause auf wiederum Irritationen hervorrufen.

3. In deinem neuen Umfeld stets verstanden zu werden Es wird nun noch schwieriger – allein schon aufgrund der in den beiden vorherigen Punkten genannten Problemen, ist es auch für deine Gastgeber und die Menschen in deinem Umfeld im Ausland, im Umkehrschluss ebenso schwierig, dich immer so zu verstehen, wie du verstanden werden willst. Du wirst dich, vor allem am Anfang, deutlich mehr darum bemühen müssen, als das sicherlich zu Hause der Fall ist. Leider kannst du auch nicht voraussetzen, dass beispielsweise deine Gasteltern, deine Gedanken lesen können – deiner eigenen Familie wird dies zuweilen schwer genug fallen und damit kommen wir zum nächsten Punkt:
4. Eine tatsächliche Einschätzung deiner Person Deine Gastfamilie kennt dich nicht! Selbst wenn du, vor Antritt deines Au-Pair-Aufenthaltes, mit der Gastfamilie schon regelmäßig und über einen längeren Zeitraum in Kontakt standest, kennt man dich nicht wirklich. Nicht so, wie deine eigene Familie, deine Freunde dich kennen. Im gewohnten Umfeld reicht häufig eine kleine Bemerkung, eine Geste oder ein Blick in dein Gesicht und dein Gegenüber kennt deine Meinung, kann erkennen ob und was dir fehlt, oder wie es um dich bestellt ist. Das wird deine Gastfamilie zunächst nicht können und auch in diesem Punkt musst du dich in Geduld üben, so schwer das manchmal auch fallen mag.
5. Die Akzeptanz der Kinder der Gastfamilie Gib den Kindern in deiner Gastfamilie ein bisschen Zeit, um sich an dich zu gewöhnen. Kinder akzeptieren „Fremde" oftmals nicht so schnell. Versuche gemeinsame Interessen zu finden, um das Eis zu brechen. Bedenke, dass auch die Möglichkeit besteht, dass die Kinder noch ihrem letzten Au-Pair hinterher trauern. Um eine Brücke zwischen der Welt der Kinder deiner Gastfamilie und deiner eigenen Welt zu schaffen, benötigst du ein gewisses Maß an Entdeckerfreude, eine fragende anstatt immer schon wissende oder gar besser wissende Haltung, ein gutes Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Souveränität. Mit der Zeit wird dir dies sicher gelingen und du wirst ihnen dann ebenso viel zu bieten haben, wie die Kinder dir!

6. Einfach neue Freunde zu finden Es ist generell nicht einfach, an einem neuen Wohnort gleich neue Freunde zu finden – das gilt natürlich ganz besonders dann, wenn dieser auch noch in einem anderen Kulturkreis liegt. Um Gleichgesinnte zu treffen und kennenzulernen, musst du dich aktiv darum bemühen. Möglichkeiten dazu bieten beispielsweise der Besuch eines Sprachkurses, oder auch der von Au-Pair-Treffen in deiner Region. Finde heraus, ob die Möglichkeit zu einer temporären Mitgliedschaft im örtlichen Sportclub besteht, oder wo du Menschen treffen kannst, die eines deiner Hobbies teilen. Deine Gastfamilie wird dich hierbei sicherlich unterstützen. Kontraproduktiv hingegen ist es, wenn du deine Freizeit vorwiegend damit verbringst, per Skype oder Chat deine Kontakte in der Heimat zu pflegen.
7. Vom Heimweh verschont zu bleiben Die große Mehrheit aller Au-Pairs, die ins Ausland gehen, wird eine Phase des Heimwehs erleben. Das muss nicht ganz plötzlich geschehen, gerade zu Beginn des Aufenthaltes erleben viele Programmteilnehmer/innen zunächst eine sehr euphorische Phase, auf die dann eine eher schwierige Zeit folgen kann, wenn du feststellst, dass die vertrauten Maßstäbe nicht mehr gelten und dass alltäglichen Strategien zur Bewältigung der Lebenssituation nicht mehr funktionieren, weil es völlig andere Wertesysteme gibt und andere Regeln das Dasein bestimmen. Lass dich davon nicht entmutigen, sondern bereite dich darauf vor, mit diesem Problem bist du sicher nicht allein. Sprich mit den Menschen in deiner Umgebung darüber und mach nicht den Fehler, dich in solchen Momenten „zu verkriechen". So wirst du diesen Tiefpunkt sicher überwinden und dich in deinem neuen Umfeld integrieren können.
Mach dir diese interkulturellen Prozesse bewusst und trage so nicht nur zum sprachlichen, sondern auch zum gegenseitigen, globalen Verständnis bei, welches auch uns besonders am Herzen liegt!
