Wir alle sind Menschen – allein schon aus diesem Grunde kann es im Zusammenleben mit einem neuen Familienmitglied, welches noch dazu aus einem anderen Kulturkreis stammt, durchaus auch zu Unstimmigkeiten kommen. Selbstverständlich ist jede Gastfamilie (und auch jedes Au-Pair) anders, viele vermeintliche Schwierigkeiten, die uns in den ersten Wochen nach Einreise eines Au-Pairs geschildert werden, ähneln sich aber. Ich möchte daher einige dieser etwaigen Probleme, und auch Lösungsansätze dazu, aufzeigen.
Unser Au-Pair zieht sich zurück und spricht nicht mit uns
Die Ursachen hierfür sind zumeist zunächst einmal sprachliche Hemmungen, aber auch Heimweh und Unsicherheit. Gerade in der ersten Zeit nach Einreise eures Au-Pairs solltet ihr darauf achten, dass sie/er sich nicht allzu sehr in ihrem/seinem Zimmer „verkriecht". Es ist natürlich so, dass euer Au-Pair abends zunächst einmal wirklich müde sein wird – es ist ja wirklich viel Neues, das verarbeitet werden muss. Das sollte man nicht unterschätzen, aber auch im Auge behalten, damit sie/er nicht zu viel alleine ist. Ermuntert euer Au-Pair, ganz besonders in der ersten Zeit, von sich und von zu Hause zu erzählen. Stellt zunächst möglichst einfache Fragen, um sprachliche Barrieren zu meistern und bezieht sie/ihn aktiv in Gespräche im Familienkreis mit ein.
Unser Au-Pair wirkt desinteressiert
Das höre ich in meinen Gesprächen mit Gastfamilien in verschiedenen Variationen immer wieder. Au-Pairs, die kein echtes Interesse an den Kindern zeigen, an der Familie an sich, oder auch an Land und Leuten. Generell kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass dies in den seltensten Fällen wirklich zutreffend ist. Jedes Au-Pair hat sich eine ganze Weile auf das Auslandsjahr vorbereitet und muss, schon aus diesem Grunde, auch tatsächlich Interesse daran haben. Es sind fast immer andere Dinge, die dazu führen, einen solchen Eindruck zu erwecken. Gerade was die Kinder betrifft, so setze ich eigentlich zunächst immer voraus, dass jedes Au-Pair über ein gewisses Maß an Kinderliebe verfügen muss. Viele dieser jungen Menschen haben aber, gerade in der Anfangszeit, einfach Angst davor, etwas falsch zu machen und sind daher zunächst eher besonders zurückhaltend. Auch hier seid ihr, als Gastfamilie, gefordert, das Gespräch zu suchen. Gebt zu verstehen, dass Passivität eher kontraproduktiv ist und erläutert eurem Au-Pair, welche Vorlieben eure Kinder haben, was sie gerne spielen und welche Vorstellungen ihr von der gemeinsamen Zeit habt. Noch schwieriger ist es, in einem fremden Land und Kulturkreis neue Bekanntschaften zu machen. Wir bieten zwar das ganze Jahr über unterschiedliche Veranstaltungen für Au-Pairs, die nach Deutschland kommen an, und geben auch Kontaktdaten von anderen Au-Pairs in der Region weiter, wichtig ist es aber auch, Kontakte zu Einheimischen herzustellen. Erkundigt euch daher nach den Hobbies und Interessen eures Au-Pairs. Gibt es evtl. an eurem Wohnort einen Sportverein, in dem ihr für euer Au-Pair eine Zeitmitgliedschaft vereinbaren könnt? Oder vielleicht einen Jugendtreff, einen Tanzclub oder Gesangsverein? Möchte euer Au-Pair für die Zeit des Aufenthaltes in einer örtlichen Kirchengemeinde aktiv werden? Es gibt ganz sicher sehr viele Möglichkeiten, die ihr aufzeigen könntet und die es eurem Au-Pair sehr erleichtern würden, hier „anzukommen".

Unser Au-Pair bringt sich nicht ausreichend ein
Gastfamilien beklagen zuweilen, dass ihr Au-Pair zu vielen, einfachen Handgriffen aufgefordert werden müsse und diese nicht von selbst erkenne. Nun – das kann man nur in den allerseltensten Fällen von Anfang an erwarten. Wie auch – euer Au-Pair kennt euch noch nicht wirklich und kann die Abläufe in eurem Haushalt zunächst gar nicht überblicken. Generell empfehle ich, vor allem zu Beginn, einen Wochenplan zu erstellen. Im Laufe der Zeit werdet ihr einen solchen Plan meist gar nicht mehr benötigen, aber anfangs solltet ihr alle Dinge, die euer Au-Pair erledigen sollte, festhalten und am besten auch Uhrzeiten zunächst schriftlich angeben. Das hilft einerseits Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund von Sprachbarrieren zu vermeiden und andererseits hat euer Au-Pair eine klare Vorstellung davon, was erwartet wird. Sie/Er kann sich zunächst an diesem Plan „festhalten" und muss nicht ständig befürchten, etwas zu vergessen oder zu übersehen. Viele Dinge, die für euch selbst selbstverständlich sein mögen, sind es für andere eben nicht – zuweilen solltet ihr auch nicht davor zurückscheuen, manches tatsächlich praktisch zu zeigen bzw. vorzumachen.
Sowohl für euch und eure Familie, als auch für euer Au-Pair, sollte dieses Jahr eine Bereicherung bzw. eine Lernerfahrung sein. Nach nunmehr 15 Jahren in der Au-Pair-Vermittlung und etwa zehn Jahre Erfahrung mit Au-Pairs im eigenen Haushalt kann ich euch versichern, dass es sich lohnt, vor allem am Anfang, Zeit und auch Geduld zu investieren!
