Der Fokus bei jedem unserer Programme liegt auf den positiven Auswirkungen, die diese Auslandserfahrung auch für unsere Programmteilnehmer bedeuten sollte. Voraussetzungen dafür sind natürlich Information, Offenheit und die Bereitschaft, in eine andere Kultur eintauchen zu wollen. Aus diesem Grunde (und natürlich auch aus eigener Erfahrung) habe ich heute einige wichtige Tipps/Denkanstöße zusammengefasst, wobei der Schwerpunkt hier auf den zwischenmenschlichen Aspekten liegt.
1. Mach dir die ökonomische Realität in deinem Zielland bewusst. Einige Baht, Pesos oder Rupien mehr oder weniger werden dich sicher nicht in den Ruin treiben. Von einem Besucher, der in lokaler Währung etwa 100 Mal mehr verdient, als die Einheimischen, kann durchaus erwartet werden, dass er beispielsweise für einen Museumsbesuch, ein Essen oder ein Taxi ein paar Cent mehr bezahlt.
2. Gib Kindern keine Geschenke, nur deren Eltern oder Lehrern. Wenn du der lokalen Kommune etwas zukommen lassen möchtest (seien es Schulbücher, Stifte oder Arzneimittel), so informiere dich vorher, was wirklich gebraucht wird und wer diese Dinge am sinnvollsten verteilen kann.
3. Achte darauf, wofür du dein Geld ausgibst. Du solltest Geschäfte, Restaurants etc. bevorzugen, welche die lokale Wirtschaft unterstützen um sicherzustellen, dass die Menschen dort direkt von deinem Besuch profitieren.

4. Nimm dir die Zeit, ein paar Floskeln in der Sprache des Ziellandes zu lernen, bevor du ins Ausland aufbrichst. Einfache Dinge wie Begrüßungen, „Bitte & Danke", oder Zahlen sind Dinge, die man auch noch während der endlosen Wartezeiten an Flughäfen und während der Reise lernen kann. Du wirst feststellen, dass dich ein wenig guter Wille und Engagement diesbezüglich weit bringen wird.
5. „Können Sie mir helfen" ist in diesem Zusammenhang eine Frage, die du unbedingt in Landessprache äußern können solltest. Es ist beinahe ausgeschlossen, egal wo auf der Welt, dass ein anderer Mensch die direkte Bitte um Hilfe ignorieren wird. Zu helfen und andere zu ermutigen dies zu erwidern ist es ja im Prinzip, worum es hier geht.
6. Informiere dich über die Traditionen und Tabus deines Ziellandes und respektiere diese. Jede Kultur hat ihre eigenen Regeln, auch die Unsere für die du wiederum ein Botschafter bist - vergiss das nicht.
7. Dämpfe deinen Ärger und kultiviere stattdessen deinen Sinn für Humor. Wut oder Ärger trifft man in der Tat sehr viel häufiger in westlichen Kulturen. Selbst wenn dir dieses Gefühl im Moment hilft, so wirst du damit weder den Respekt der Einheimischen erlangen, noch eine Verbesserung der Situation erreichen.
8. Entwickle ein Gefühl für die sozialen und politischen Probleme deines Ziellandes – es wird einen enormen Unterschied ausmachen, wenn du bereits bei Programmbeginn weißt, was die Menschen dort beschäftigt und berührt. Hierzu ist, neben der üblichen Vorbereitungsliteratur, auch das Lesen lokaler Zeitungen, die oftmals in englischer Sprache zu haben sind, bestens geeignet.
9. Handle fair und respektiere dabei stets den Verkäufer. Bedenke auch an dieser Stelle die wirtschaftliche Lage im Zielland. Ein Handel sollte am Ende stets sowohl den Käufer, als auch den Verkäufer zufrieden stellen – niemand sollte sich wirklich übervorteilt fühlen. In vielen Kulturen gehört der Handel zu einem Verkauf – es ist aber nicht wirklich ein „Schnäppchen" wenn eine Person sich ausgenutzt oder abgezockt fühlt.

10. Lerne zuzuhören. Sowohl auf persönlicher, als auch auf internationaler Ebene ist die Fähigkeit wirklich zuzuhören, der Kern der Diplomatie. Viele Probleme auf der Welt entstehen daraus, dass Menschen sich ausgegrenzt fühlen. Höre deshalb gut zu und zwar auch unterschiedlichsten Standpunkten.
11. Lerne zu sprechen. Wir alle aus den westlichen Kulturen neigen dazu unsere Meinungen als absolute Wahrheiten zu äußern. Es ist oft sinnvoller Gespräche mit Einleitungen wie „Ich denke" oder „Meine Meinung ist" zu beginnen, anstatt mit „Wie jeder weiß".
12. Lass deine (Vor)Urteile über die Welt zu Hause. Die Bewohner unserer Welt werden dich immer wieder mit ihrer Großzügigkeit, ihrer Gastfreundschaft und ihrer Weisheit überraschen. Sei offen für ihre Freundschaft und sei dir unserer gemeinsamen Menschlichkeit, Freuden und Nöte bewusst.
Ein Auslandsaufenthalt als Freiwillige(r) ist sehr vielfältig, spannend und wird sicherlich positive Auswirkungen auf deine Persönlichkeitsentwicklung haben – du kannst aber durchaus auch Belastungen erleben, die du vorher unterschätzt hast. Aus diesem Grunde solltest du dich gewissenhaft und gründlich vorbereiten und über unterschiedlichste Aspekte informieren!
